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IHR LANDSTYLE MAGAZIN


 

Boromir Ecker

Der Düsseldorfer Bildhauer Bogomir Ecker liebt Gärten: Egal ob Schrebergarten, Bauerngarten oder Schlossgarten – sein Herz geht in jedem Garten auf. Und er liebt Italien. Weil Italien aber leider zu weit weg liegt, suchten er und seine Frau vor vielen Jahren nach einem Garten, der leichter erreichbar ist. Fündig wurden sie in der romantischen Kroppacher Schweiz im Westerwald, wo sie ein Fachwerkhaus kauften, zu dem ein ganzes Tal mit einem Bachlauf gehört. Ein idealer Ort, nicht nur um dem Trubel der Großstadt zu entkommen, sondern auch um die nötige Ruhe zum Arbeiten zu finden. In der angrenzenden Scheune, einem herrlichen Raum ohne Fenster, damit bloß nichts ablenkt, realisiert Bogomir Ecker seine großen und weniger großen Installationen und Skulpturen.

Bekannt wurde Bogomir Ecker mit Kunst im öffentlichen Raum. Seine riesigen, an Industrieformen erinnernden Skulpturen wie auch ganz banale Alltagsgegenstände, die er verfremdet, haben stets mit Sinneswahrnehmungen, insbesondere mit Sehen und Hören zu tun. Er integriert sie in Parks, auf großen Plätzen in der Stadt, in der Landschaft, im Wasser, in geräumigen Eingangshallen. Überdimensionierte, rote Ohren hängen an Parkbäumen, Stahlkonstruktionen ragen aus dem Fluss – man fragt sich, was sie gerade da verloren haben. Genau das provoziert Bogomir Ecker mit feinem Humor ganz bewusst; ungewohnte Perspektiven zwischen Natur und Technik, die den Betrachter dazu bringen sollen, gewohnte Wahrnehmungsmuster zu verlassen und sich der Fantasie, der freien Assoziation zu öffnen.

Herr Ecker, sprechen wir zuerst über Ihren Garten. Wie haben Sie es geschafft, einen ganz gewöhnlichen, steilen Hang in so einen herrlichen Naturgarten zu verwandeln?

Das Problem des steilen Hangs war zugleich ein Segen – Terrassengärten fand ich schon immer interessant. Mit einem damals angehenden Land-schaftsarchitekten, mit dem ich befreundet bin, haben wir Schritt für Schritt im Hang ganz natürlich eingegliederte Terrassen angelegt. Dabei sollte der Charakter der Streuobstwiese mit sehr alten, schrägwachsenden Obstbäumen, beibehalten werden, jedoch ergänzt um Neues. Ich versuche, sehr wenig einzugreifen – was wächst, das wächst, und um das, was nicht wachsen will, muss man sich keine Sorgen machen. Man sollte nicht gegen die Natur ankämpfen. Wir sind alle Italienfans und die Idee war, sich von dem kuriosen „Parco dei Mostri“, einem Garten in der Nähe von Bomarzo, inspirieren zu lassen. Alte Grabsteine als „Memento mori“, Reliefs und Grotten gehören eigentlich in jeden Garten. Es ist eine andere Form des Gartendenkens, die hier nicht heimisch ist. Ich bin ein Romantiker, ein großer Verfechter der deutschen Romantik. Im Sinne von Aufklärung und Gewichtung, das halte ich für eine unglaublich wichtige kulturell-intellektuelle Bewegung, die Abwendung vom Göttlichen und Zuwendung zum Naturhaften und somit auch zur Verantwortung. Das finde ich sehr zeitgemäß.

Der Garten bietet Ihnen zugleich eine ideale Bühne für Ihre Skulpturen. Man sieht sie schon von weitem, wenn man zu Ihnen kommt, und man erkennt sofort Ihre Handschrift. Wie arbeiten Sie? Lassen Sie sich von der Lokalität inspirieren und entwerfen dann ortsbezogen Ihre Werke oder suchen Sie für Ihre Arbeiten einen geeigneten Ort?

Unterschiedlich. Ich schaue mir erst mal den Ort an und überlege, was dort möglich ist und was nicht. Oft setze ich mich in ein Café und beobachte den Platz, über den die Leute laufen, eine Zeit lang, um die richtige Stelle für die Skulptur zu finden. Ich versuche, über Fotos die Propor-tionen zu bestimmen, was schwierig ist. Das A und O einer Skulptur ist die Proportion. Man hat erst die Größe, dann die Form – es ist ein komplexer Prozess. Danach baut sie meist eine Fachfirma. Und dann kommt der große Moment mit viel Herzklopfen, wenn sie aufgebaut wird: Stimmt alles, was man angenommen hat? Man kann nichts mehr ändern, auch falls es nicht stimmt.

 

Benutzen Sie keinen Computer als Hilfe?

Nein. Ich mache alles mit großen Papieren oder Modellen in Karton, per Zeichnung, ich bin es so gewöhnt. Für mich ist es am einfachsten. Das ist die Erfahrung. Man lernt nur durch Anschauen, durch das Beurteilen der Dinge. Wenn die Leute sagen, dass sie es nicht verstehen können, sage ich deshalb: „Passen Sie mal auf, ich mache seit über 35 Jahren Kunst und ich verstehe es auch nicht, aber ich habe es trotzdem gemacht. Gerade deswegen. Mich interessieren nur Dinge, die ich zunächst nicht verstehe, das Unerwartete.“ Dann schauen sie mich überrascht an. „Ich will Fragen stellen, etwas herauskriegen, an einen Punkt kommen, den ich vorher nicht kannte. Ich habe drei Jahre dafür gebraucht und Sie wollen es in drei Minuten verstehen? Sind Sie so intelligent, dass Sie es in drei Minuten beurteilen können?“, frage ich die Leute. Dann merken sie, dass es nicht so schnell geht.

Durch Ihre ganze Arbeit ziehen sich wie ein roter Faden die Begriffe Sehen und Hören.

Ja, die sinnliche Wahrnehmung hat mich schon immer beschäftigt. Das heutige Problem ist, je mehr Fotos wir durchs Internet jagen, desto weniger schauen wir darauf. Ständig werden wir von den Medien zugemüllt. Da ist der Hintergrund, wenn Sie so wollen, ein kulturpolitischer; mir geht es nur um die Kunst, ich will ja niemanden missionieren. Ich möchte Phänomene schaffen, wo die Leute hinschauen und durch Assoziationen darauf kommen, dass sie selbst ihre Fantasie und ihre Gedanken aktivieren. Man muss gar nicht viel erklären, das funktioniert von allein. Die Leute machen es sich viel zu schwer mit der Kunst. Sie denken, sie müssen das denken, was ich denke. Nein, darum geht es nicht. Kinder sind viel besser, die kommen rein und sagen: „Oh, das ist ein Ohr, kann das hören oder macht es Töne? Da haben sie schon einen wesentlichen Punkt bemerkt. Ich halte übrigens die verbreitete Vorstellung im Kunstbereich für einen Fehler, dass man die Leute nicht überfordern darf, d.h. keine Ansprüche zu stellen. Man muss sie überfordern; sie sind viel offener, als man denkt.

Sie unterrichteten schon mehr als zwanzig Jahre an Kunstakademien. Hat sich in dieser Zeit die Wahrnehmung bei den Studenten verändert?

Ja, sie sind immer mehr medial geprägt. Die reale Wahrnehmung der Welt nimmt ab und die künstliche Wahrnehmung der Welt nimmt zu. Damit werden sie groß. Es gibt schon solche Phänomene, dass Kinder zum Beispiel eine Zeitung in die Hand nehmen und das Foto wie auf dem Smartphone vergrößern wollen – typische Indizien für eine veränderte Wahrnehmung. Aber wenn sich die Studenten länger mit der Kunst beschäftigen, dann gleicht sich das nach einigen Jahren aus. Sie gehen durch eine Art Bilderkatharsis, weil sie so zugeschüttet sind mit den sozialen Medien. Wenn sie das alles hinter sich gelassen haben, dann sind sie nicht anders als alle Künstler, egal aus welchem Jahrhundert. Das hat sich alles verändert, das ist ein kulturelles Problem. Letztendlich haben die technischen Medien unsere Fähigkeit, Dinge wahrzunehmen oder nicht wahrzunehmen, mehr verändert als die Kunst. Das ist Tatsache. Früher war die Kunst das einzige Medium für Visuelles.

Konnten Sie dieser Entwicklung auch etwas Überraschendes im positiven Sinne abgewinnen?

Beispielsweise bei neuen Bewerbungen an der Akademie. Da war ein 19jähriger Bewerber, der malte ganz fantastisch, wie der Expressionist Max Beckmann, und sagte, er kenne fast alle Bilder von ihm. Als wir fragten, in welchem Museum er war, sagte er, in keinem, er habe das alles im Netz gesehen. Er hatte kein einziges Original gesehen! Komisch, dachten wir, geht auch. Etwas in uns sträubte sich zwar, aber es hat uns überzeugt. (dh)

 

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"Piazzolla & more - Gitarrenmusik aus Südamerika" mit dem Weltklasse - Gitarristen José Fernández Bardesio
Kulturzentrum kabelmetal, Windeck-Schladern



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Die neue Ausgabe Sommer 2018

erscheint am 01.06.2018

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